Die Hohenbrunner Malerin Gabrielle Massonne-Tabet
stellt in Ottobrunner Firma aus

Hohenbrunn – “Ich bin manchmal richtig farbensüchtig“, erklärt Gabrielle Massonne-Tabet beim Rundgang durch die Ausstellung ihrer Bilder, die noch bis zum Freitag, 9. Mai, in den Büroräumen der Firma macros am Haidgraben 9a in Ottobrunn zu sehen sind. Tatsächlich strotzen die oft abstrakten Impressionen vor Lust an satter und lebensfroher Farbgebung.
Farblich überfrachtet wirken diese mit feinem Gespür für Nuancen komponierten Arbeiten, die die Malerin in ihrem Hohenbrunner Atelier angefertigt hat, jedoch nie. Da lädt unter anderem eine abstrakt-konkrete Impression von einem See mit Segelboot oder das strahlende Weiß eines Klosters in Griechenland vor blauem Himmel zu Urlaubsfantasien ein, lassen die heiteren Farben sich im Wasser des Gardasees spiegelnder idyllischer Häuser die Seele spazieren gehen.

Spiel mit Formen

Neben einem gegenständlichen Stillleben in Acryl mit Olivenzweig und Zitronen zeigt diese Ausstellung unter anderem auch Bilder, in denen die 1954 in Bitterfeld in der ehemaligen DDR geborene Malerin das Spiel mit geometrischen Formen und Farbblöcken auskostet, in denen zum Beispiel monochrom schwarze Liniengeflechte Chaos und Unheil ausdrücken (Titel “Moloch”).
Im Atelier in ihrem Hohenbrunner Wohnhaus, in dem Gabrielle Massonne-Tabet seit 1997 zusammen mit ihrem Ehemann und ihren drei Töchtern lebt, entsteht in diesen Tagen aber auch ein Acryl-Gemälde, in dem die studierte Germanistin und Anglistin, die die “Faculty of Arts” der University of Bristol besuchte, ihr Entsetzen über den Krieg im Irak thematisiert. In Gelb, Orange und Rostrot ist das bei den Fernsehbildern übliche, nur schemenhaft erkennbare Kriegsgeschehen getaucht. Groß über allem erhebt sich die mächtige Friedenstaube, deren Symbolkraft allerdings verfremdet mit Adlerschnabel und getränkt vom roten Blut der Opfer in das Gegenteil verkehrt und zum Boten des Unheils wird.
Ich male meistens an mehreren Bildern gleichzeitig“, erzählt die Künstlerin, die auch ein Faible für Architektur und das Entwerfen von Häusern und Grundrissen hat. In der geordneten Unordnung ihres Ateliers finden sich “gefällige” Landschaftsaquarelle ebenso, wie das konkrete und leuchtend rote Abbild einer Mohnblüte, ein sattes Stillleben oder abstrakte Impressionen, die bei Gabrielle Massonne-Tabet jedoch stets einen konkreten Gehalt haben müssen. Sie male aus dem Bauch heraus, sagt die zufrieden in sich und ihrer Doppelrolle als Familienmensch und Künstlerin ruhende Frau. Die besondere Vielfalt, der stilistischen Mittel, Techniken und Ausdrucksformen, derer sie sich dabei bedient, machen für sie den nötigen Reiz aus, der stets neuen Ansporn, neue Anstöße und Entdeckungen vermittelt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Kultur – Samstag/Sonntag 26./27. April 2003 von Roswitha Grosse

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