Im Atelier von Herta Linsmaier und Gabrielle Massonne-Tabet

Zwei Tage in der Woche teilen die Maler-Freundinnen
im Kunststadel Hohenbrunn eine Werkstatt

Hohenbrunn – “Hier ist keine Pflicht, hier sind nur wir …”, freut sich Herta Linsmaier über das neue Künstler-Domizil, das sie vor kurzem zusammen mit Gabrielle Massonne-Tabet im Hohenbrunner “Lebensraum Kunst” bezogen hat. In dem 65 Quadratmeter großen Atelier im Kunst-Stadl an der Dorfstraße 4 haben die beiden Frauen das ideale Refugium gefunden, um kreativ zu sein.
Herta Linsmaier, Diplompsychologin und Therapeutin in Ottobrunn, und die in Hohenbrunn lebende Englischdozentin Gabrielle Massonne-Tabet malen schon seit sechs Jahren zusammen. Bis vor kurzem trafen sich die beiden zu Hause, um ein paar Stunden lang abzutauchen in die Kreativität.
“Ich gehe in meiner Arbeit mehr vom Gegenständlichen aus, Gabrielle mehr vom Abstrakten”, beschreibt Herta Linsmaier das wesentliche Unterscheidungsmerkmal in den Bildern. Während die in Bitterfeld geborene Gabrielle Massonne-Tabet in ihren farbintensiven Aquarellen und Acrylbildern meist Abstraktionen mit gegenständlichem Gehalt verwirklicht, hat sich ihre in Rosenheim aufgewachsene Freundin mehr auf sinnliche Lebenslust ausstrahlende “Küchenbilder” und auf die Darstellung zarter Engelwesen und Landschaften verlegt. Anregungen für Motive und deren Ausgestaltung holen sich die Künstlerinnen im gegenseitigen Austausch.
“Eigentlich ist das ideal. Man wird angeregt, hat Gespräche”, schwärmt Gabrielle Massonne-Tabet von dem neuen schöpferischen Zentrum, das sich die Malerinnen im Nebeneinander auch mit den übrigen Atelier-Mietern im Kunst-Stadl geschaffen haben. Der große und luftige Raum direkt unter dem Giebeldach hat Fenster im Süden, Osten und Westen und bietet ideale Lichtverhältnisse. Auf dem aus mehreren mobilen Elementen zusammengesetzten großen Arbeitstischen stehen Einmach-Gläser, die mit Pinseln aller Größen und Sorten gefüllt sind, herrscht ein kreatives Chaos mit Farbtuben, Paletten und leeren Kaffeetassen.
Die fertigen Bilder an den Wänden und die noch in Arbeit befindlichen Bilder auf den hölzernen Staffeleien vermischen sich zusammen mit dem Plauder-Sofa neben dem CD-Spieler (Zum Malen gibts die Dire Straits, Rod Steward und Jazz), der orginellen “Rumpelkammer” unter dem Ikea-Hochbett und der mitten im Raum an einem dicken Holzbalken aufgehängten Schaukel zur Tabu-Zone für die Banalitäten und Widrigkeiten des feindlichen Alltags.
Donnerstag und Freitag sind “feste Maltage” im gemeinsamen Atelier. “Damit sich unsere Familien darauf einstellen können, dass an diesen Tagen nicht gekocht wird”, erklärt Gabrielle Massonne-Tabet. “Jeder macht sein Ding”, stellt Herta Linsmaier klar. Auch wenn die Frauen über neue Ideen und Motive diskutieren: Ihre künstlerische Identität sei durch diese Ateliergemeinschaft nicht in Gefahr, versichern sie. Im Gegenteil. Es sei “ein Glücksfall”, dass sie beide hier zusammen malen könnten, erklärt Gabrielle Massonne-Tabet und blickt aus dem “Fenster zum Hof” hinunter auf die im freien stehenden kleinen Tische des neuen Cafés, an denen in de Malpausen Körper und Seele gestärkt werden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Kultur – Montag, 9. August 2004 von Roswitha Grosse

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